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Estland und die Schweiz

04.08.2011

Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat die Republik Estland am 22. April 1922 anerkannt, die Wiederanerkennung erfolgte am 28. August 1991. Am 4. September 1991 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten wieder aufgenommen.

Estnische Botschafterin in der Schweiz ist seit Januar 2011 Katrin Saarsalu-Layachi, sie residiert in Tallinn. Estland wird in der Schweiz von Honorarkonsul Hans Graf in Zürich und von Honorarkonsul Matteo Inaudi in Genf vertreten. Die Schweiz wird seit November 2010 in Estland durch Botschafter Maurice Darier vertreten, der seinen ständigen Sitz in Helsinki hat. Seit 2010 ist Andreas Lehmann der Honorargeneralkonsul der Schweiz in Estland.

In Tallinn befindet sich die Handelskammer Schweiz-Baltikum, die von Jürg Würtenberg geleitet wird.

Hochrangige Besuche aus Estland in der Schweiz 2004-2011

März 2004 – Außenministerin Kristiina Ojuland
Mai 2004 – Staatspräsident Arnold Rüütel
Dezember 2006 – Wirtschafts- und Kommunikationsminister Edgar Savisaar
Dezember 2007 – Finanzminister Ivari Padar
April 2008 – Außenminister Urmas Paet
Mai 2009 – Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves

Hochrangige Besuche aus der Schweiz in Estland 2004-2011

Dezember 2004 – Staatssekretär Franz von Däniken
Februar 2005 – Wirtschaftsminister Joseph Deiss
April 2007 – Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey
Oktober 2010 – Außenministerin Micheline Calmy-Rey

Abkommen

Die wichtigsten Abkommen zwischen Estland und der Schweiz sind:

  • Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Investitionen; 1993 in Kraft getreten.
  • Abkommen über den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen; 1996 in Kraft getreten.
  • Abkommen über den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr auf der Straße; 1997 in Kraft getreten.
  • Rückübernahmeabkommen sowie das Abkommen über die Aufhebung der Visumspflicht; 1998 in Kraft getreten.
  • Vereinbarung über Flugverbindungen; 1999 in Kraft getreten.
  • Doppelbesteuerungsabkommen; 2004 in Kraft getreten.

Darüber hinaus werden die Beziehungen zwischen Estland und der Schweiz nach dem EU-Beitritt Estlands am 1. Mai 2004 durch die zwischen der Europäischen Union und der Schweizerischen Eidgenossenschaft abgeschlossenen Verträge geregelt.

Wirtschaftsbeziehungen

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Estland und der Schweiz ist intensiv. Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Staaten war das Inkrafttreten des Doppelbesteuerungsabkommens am 12. Juli 2004. Für die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen ist es nicht unerheblich, dass Estland seit dem 1. Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union ist.

Zur Intensivierung der Geschäftsbeziehungen zwischen Estland und der Schweiz haben die Handelskammer Schweiz-Baltikum in Tallinn und die Handelskammer Schweiz-Baltikum in Zürich sowie die Organisation für Schweizer Export- und Außenhandelsförderung (OSEC) beigetragen. Diese Gremien haben an der Ausrichtung von verschiedenen Baltikum-Informationsveranstaltungen, darunter an der Durchführung von Geschäftsreisen für Unternehmer beider Länder mitgewirkt. Gegenwärtig ist das Sekretariat der Handelskammer Schweiz-Baltikum Mitglied der Handelskammer Schweiz-Mitteleuropa (SEC), und zu ihrer gemeinsamen Filiale wurde die in Tallinn agierende Handelskammer Schweiz-Baltikum bestimmt. Im Juni 2009 und 2010 fanden in Zürich für kleine und mittlere Unternehmen, die sich für die Geschäftstätigkeit in Estland interessieren bzw. bereits in Estland tätig sind, Informationsseminare über Estland statt. Die vorerst letzte Reise schweizerischer Unternehmer in die baltischen Länder fand vom 28. September bis 2. Oktober 2009 statt.

Warenverkehr

Der Handelsumsatz Estlands mit der Schweiz nahm in den letzten zehn Jahren um 1,5 Mal zu und betrug im Jahr 2010 0,5 % des estnischen Gesamthandelsvolumens. Im Jahr 2010 wuchsen die estnischen Exporte in die Schweiz um 44 % im Vergleich zu 2009, und die Importe aus der Schweiz nahmen um 65 % zu. 2010 belegte die Schweiz den 26. Platz unter den estnischen Handelspartnern.

Warenverkehr 2004-2010

  Exporte 
Mio. EUR
Importe
Mio. EUR
2004  20,6 0,4 42,3 0,6
2005  20,9 0,4 46,6 0,7
2006  23,8 0,3 47,9 0,5
2007  26,8 0,3 41,6 0,4
2008  20,4 0,2 55,2 0,5
2009  21,3 0,3 35,1 0,5
2010 30,6 0,4 58 0,6
 

Quelle: Statistisches Amt Estlands, www.stat.ee

Die Schweiz liefert hauptsächlich Edelmetalle sowie Maschinen und technische Anlagen nach Estland. Es werden auch optische Geräte sowie Foto-, Kontroll-, Mess-, Medizin- und Präzisionsgeräte, Kunststoff und Kunststoffprodukte exportiert.

Aus Estland bezieht die Schweiz Tiere und tierische Produkte, Edelmetalle, Mineralprodukte sowie Maschinen, technische Anlagen und sonstige Industrieprodukte.

Schweizerische Investitionen in Estland

Der Anteil der schweizerischen Direktinvestitionen 2010 betrug nach dem Stand vom 31. Dezember 2010 128 Mio. EUR, was 1,0 % des Gesamtvolumens der in Estland getätigten Investitionen ausmacht.

Nach Angaben des Unternehmensregisters (Stand: 31.12.2010) gibt es in Estland insgesamt 149 Unternehmen mit schweizerischer Kapitalbeteiligung. Die größten Unternehmen mit schweizerischem Anteil in Estland sind AS Repo Vabrikud (Produktion von Spanplatten), Silmet AS (Produktion von seltenen Metallen), Ekspress Grupp AS (Medien), United Motors AS (Groß- und Einzelhandel von Pkw und Kleinbussen) und Trüb Baltic AG.

Mit Unterstützung der Schweiz umgesetzte Projekte in Estland

Estland und die Schweiz arbeiteten auch im Rahmen einiger Hilfsprojekte zusammen. Die Schweiz unterstützte Estland mit Hochtechnologien, Schulungen und Beratern bei 18 Projekten (Gesamtwert insgesamt ca. 10 Mio. EUR), in erster Linie auf dem Gebiet der Entwicklung der Infrastruktur, die jedoch auch weitere Bereiche umfassten, wie zum Beispiel Projekte der Abfallwirtschaft der Stadt Võru, der Ausbau des estnischen Kartenzentrums und die Restaurierung der Orgel der Kaarli-Kirche in Tallinn. Dank der nicht zurückzuzahlenden Hilfe der Schweiz wurden die Wasserreinigungssysteme in Tallinn, Tartu und Otepää modernisiert und Krankenhauseinrichtungen erworben.

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts gehörten Estland und andere EU-Neumitglieder zu den Empfängerstaaten des Schweizer Beitrags zur Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in der erweiterten Europäischen Union. Im Jahr 2004 stellte die Schweiz den zehn neuen EU-Mitgliedern einen Gesamtbetrag von rund 697 Mio. EUR zur Verfügung; die Estland bereitgestellte Fördersumme betrug rund 25 Mio. EUR. Die Verteilungsprinzipien der Fördergelder sowie ihre Verwendungsbereiche wurden mit dem Rahmenvertrag eines Kooperationsprogramms festgelegt, den auf estnischer Seite Finanzminister Ivari Padar unterzeichnete.

Verteidigungspolitische Kooperation

Estland und die Schweiz unterhalten im Bereich der Verteidigung vertrauensvolle und enge Beziehungen, die verschiedene Formen der Zusammenarbeit umfassen, von materieller Hilfe bis hin zur Ausbildung und Beratung. Die Schweiz hat für estnische Staatsbedienstete Weiterbildungsmöglichkeiten im renommierten „Zentrum für Sicherheitspolitik“ (GCSP) in Genf angeboten. Seit der Gründung der Baltischen Verteidigungsakademie BALTDEFCOL gehört die Schweiz zu ihren sechs größten Sponsoren.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen Estland und der Schweiz sind im Laufe der Jahre vielschichtiger geworden, und die engsten Kontakte bestehen im Bereich der Musik und der Kunst.

Seit 2010 ist der estnische Dirigent Neeme Järvi Künstlerischer Leiter des Orchestre de la Suisse Romande, dessen Chefdirigent er ab 2012 sein wird. Sein Sohn Kristjan Järvi hat als Dirigent mit verschiedenen Schweizer Orchestern zusammengearbeitet. Er ist einer der Gastdirigenten und musikalischen Berater des kammerorchesterbasel. Darüber hinaus hat Kristjan Järvi auch das Musikkollegium Winterthur, das zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Orchestern der Welt zählt, dirigiert.

An dem internationalen zeitgenössischen Theatertreffen „Auawirleben“ in Bern, das auf eine mehr als 20-jährige Geschichte zurückblicken kann, nahm in den letzten Jahren das Theater NO99 teil. Auf dem internationalen Festival für Film und Fernsehen „Cinéma Tous Ecrans“, das im November 2010 in Genf stattfand, gewann der Film „Püha Tõnu kiusamine“ (2009; deutscher Verleihtitel: Die Versuchung des Hl. Tony) des Filmregisseurs Veiko Õunpuu den Preis der internationalen Filmkritik FIPRESCI.

Schweizerischer Lesesaal

In der estnischen Nationalbibliothek wurde im Herbst 1997 ein schweizerischer Lesesaal eröffnet, in dem man sich einen sehr guten Überblick über das gesellschaftliche und kulturelle Leben in der Schweiz verschaffen kann, was zur Vertiefung und Förderung der Kontakte zwischen beiden Ländern beiträgt. Im Lesesaal stehen dem Besucher interessante und informative Bücher aus verschiedenen Bereichen wie Politik, Recht, Wirtschaft, Kultur, Geschichte und Belletristik (in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache) zur Verfügung.

Bildungskooperation

Zwischen den Studenten und Wissenschaftlern beider Länder herrscht ein reger Austausch, der auch ohne offizielle Regelungen problemlos funktioniert. Im April 2004 wurde an der Technischen Universität Tallinn ein Kontaktzentrum des Swiss Baltic Net eröffnet. Ziel des Kontaktzentrums ist eine engere Zusammenarbeit der größeren Hochschulen Estlands, Lettlands und Litauens mit den entsprechenden Forschungsanstalten in der Schweiz. Die Botschaft der Schweiz in Helsinki vermittelt seit Jahren estnischen Studenten Stipendien der Schweiz.

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