Estnische Wirtschaftspolitik

22.09.2011
Estland verfügt über eine offene und stabile Wirtschaft, die
sich durch Anpassungsvermögen und Innovation auszeichnet. Der
Außenhandel wird dadurch gefördert, dass Chancengleichheit für in- und
ausländische Unternehmen sowie für in- und ausländisches Kapital
gewährleistet ist. Die Regierungen Estlands
verfolgten konsequent den Weg, der den Staat zum wirtschaftlichen Erfolg
führte: der ausgeglichene Staatshaushalt, die liberale Handels- und
Investitionsgesetzgebung und die Einführung des Euro am
1. Januar 2011. Ferner wurde Estland am
9. Dezember 2010 das 34. Vollmitglied der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Nachhaltig Das Hauptziel der
Wirtschaftspolitik ist es, den Lebensstandard der Einwohner Estlands zu
verbessern, dessen Grundlage die wirtschaftliche Stabilität und die
wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur bilden. Die Voraussetzung für das
Wirtschaftswachstum und für die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit ist
die Stabilität des makroökonomischen Umfelds, die von der konservativen
Haushaltspolitik, deren Anwendung in Estland dazu beigetragen hat, die
niedrige Schuldenlast des öffentlichen Sektors beizubehalten, maßgeblich
beeinflusst wird. Offen
Charakteristisch für die wirtschaftliche Offenheit des im Jahr
1992 wieder unabhängig gewordenen Estlands war es, dass für den ganzen
Import, landwirtschaftliche Produkte eingeschlossen, keine Zölle erhoben
wurden. Diese Situation änderte sich allerdings im Jahr 2000,
als Zollabgaben für einige landwirtschaftliche Produkte
eingeführt wurden. Seit dem 1. Mai 2004 setzt Estland als
EU-Mitgliedstaat die Gemeinsame Handelspolitik der Europäischen Union
um, dabei gelten für Estland die Rahmenbedingungen der Handelsabkommen,
die die Europäische Union mit Drittländern abgeschlossen hat.
Die EU-Mitgliedstaaten sind bereits seit Mitte der 90er
Jahre wichtige Handelspartner Estlands. Im Jahr 2010 lag der Anteil der
Europäischen Union am estnischen Gesamtexportvolumen wie auch in den
letzten Jahren bei 70 % (im Jahr 2010 68,5 %), wobei
im Vergleich zu 2009 ein Zuwachs von 33 % erreicht wurde.
Zugleich stieg im Jahr 2010 der Anteil der EU-Staaten am estnischen
Gesamtimportvolumen auf 79,7 %, im Vergleich zu 2009 ein
Zuwachs von 26 %. Im Jahr 2010
exportierte Estland in die europäischen Staaten hauptsächlich Maschinen
und Geräte, Holz- und Holzprodukte, Mineralprodukte, Metall- und
Metallprodukte sowie Landwirtschaftsprodukte und Lebensmittel. Bei der
Einfuhr überwogen ebenfalls Maschinen und Geräte, ferner
Landwirtschaftsprodukte und Lebensmittel, Mineralprodukte sowie Metall
und Metallprodukte. Im Bereich der
Dienstleistungen waren die wichtigsten Geschäftspartner Estlands im Jahr
2010 wiederum die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die an
70,7 % der Ausfuhren und 80,3 % der Einfuhren
beteiligt waren. Gemäß den Angaben der Zentralbank
Estlands wurden in Estland nach dem Stand vom 31. Dezember
2010 ausländische Direktinvestitionen im Umfang von
12,3 Mrd. EUR getätigt, davon kamen 87 % aus
den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Gemessen am Volumen der
Direktinvestitionen pro Kopf sichert sich Estland unter den mittel- und
osteuropäischen Ländern einen Spitzenplatz. Estnische
Auslandsinvestitionen betrugen 4,5 Mrd. EUR, davon
flossen 85,5 % in die Staaten der Europäischen Union.
Den geltenden Rechts- und Besitzstand der Europäischen
Union ergänzen die Doppelbesteuerungsabkommen, die mit einer Reihe von
Staaten abgeschlossen wurden. Nach dem estnischen Handelsgesetzbuch sind
in- und ausländische Investoren gleichgestellt. Darüber hinaus wurden
mit einer Reihe von Staaten Investitionsschutzabkommen
abgeschlossen. Integriert Am
1. Januar 2011 trat Estland der Eurozone bei und als
Zahlungsmittel wurde der Euro eingeführt. Im Jahr 2010 erfüllte Estland
erfolgreich alle Maastricht-Kriterien, die die Voraussetzung für den
Euro-Beitritt bilden. Estland wurde das 17. Mitglied der
europäischen Währungsunion und das erste baltische Euroland. In den
Jahren 1992 bis 2010 stand das estnische Finanzsystem auf der soliden
Basis des Currency-Board-Systems. Zunächst war die
estnische Krone zu einem festen Wechselkurs an die Deutsche Mark und
anschließend an den Euro angebunden. Mit dem Beitritt zur Europäischen
Union am 1. Mai 2004 wurde Estland Mitglied der Europäischen
Wirtschafts- und Währungsunion, in deren Rahmen am 1. Januar
2011 der Euro eingeführt wurde. Der Übergang zum Euro kann als eine
natürliche Entwicklung Estlands auf dem Wege zu einer immer engeren
Integration in den europäischen Wirtschaftsraum betrachtet werden. Der
Euro trägt zur weiteren wirtschaftlichen Integration bei, erhöht die
Glaubwürdigkeit Estlands in den Augen der Investoren und ermöglicht es
Estland, mehr denn je bei der Gestaltung der Wirtschaftspolitik der
Europäischen Union mitzureden. Ferner wird aufgrund
der Euro-Einführung das Reisen erleichtert, und es entfallen die durch
den Geldwechsel entstehenden Kosten für Privatpersonen wie auch für
Unternehmen. Stabil Die
proportionale Einkommensteuer gilt in Estland seit 1994. Seit dem
1. Januar 2008 beträgt die Einkommensteuer 21 %. Eine
Besonderheit bei der Einkommensteuer für juristische Personen ist, dass
der Gewinn nicht im Moment seiner Entstehung, sondern erst bei seiner
Ausschüttung besteuert wird. Somit ist der Gewinn, den ein Unternehmen
reinvestiert, von der Einkommensteuer befreit. Die
Umsatzsteuer beträgt in Estland 20 % und das Umsatzsteuersystem
steht im Einklang mit den Vorgaben der Europäischen Union. Darüber
hinaus entrichten die Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge, die
33 % des Einkommens betragen.
Anpassungsfähig Das liberale
Wirtschaftsmodell, die Rechtssicherheit und eine moderate
Steuerbelastung bilden die wichtigsten Faktoren des estnischen
Wirtschaftswachstums. In den Jahren 2000-2007 legte das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) Estlands jährlich von 6,9 bis zu
10,6 % zu. Infolge der weltweiten Wirtschafts- und Bankenkrise
ging im Jahr 2008 das Wachstum um 5,1 % und im Jahr 2009 um
13,9 % zurück, was auf den Rückgang der Binnennachfrage und des
sinkenden Exports zurückzuführen ist. Seit dem 2. Quartal 2010
hat die estnische Wirtschaft wieder leicht zugelegt, der Anstieg des
Wachstums betrug im 4. Quartal 6,7 %, und im ganzen
Jahr 2010 stieg in Estland die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts
um 3,1 %. Das Wirtschaftswachstum wurde im Wesentlichen durch
die gestiegene Auslandsnachfrage und die daraus resultierende Zunahme an
Exporten gefördert. Gemäß den Prognosen des Finanzministeriums ist für
das Jahr 2011 mit einer Wachstumsrate von 3,6 % und für 2012
von 4 % zu rechnen. Innovativ und
vernetzt Estland hat sich im Ostseeraum als
Transitknotenpunkt für Land- und Seetransport profiliert, das Qualität
zu wettbewerbsfähigen Preisen bietet. Estland verfügt über gut
ausgebaute Verkehrs- und Telekommunikationswege zu allen Ländern der
Region. Die gute Netzabdeckung mittels ADSL-Anschlüssen durch alle
Telekommunikationsunternehmen, das Parkgebührenzahlungssystem über
Mobilfunk, die Nutzung der ID-Karten als Busfahrscheine, die
elektronische Einkommensteuererklärung und andere funktionierende
Online-Services bestätigen die IT-Bereitschaft der estnischen
Gesellschaft. Gut ausgebaute Verkehrs- und Telekommunikationswege bieten
Unternehmern nahezu ideale Möglichkeiten, um von Estland aus in der
gesamten Region zu agieren. Chancengleichheit für
in- und ausländisches Kapital Die estnische
Wirtschaftspolitik ist durch die Jahre hinweg von dem in der Verfassung
verankerten Grundsatz ausgegangen, dass Investoren und Unternehmer
unabhängig von ihrer Herkunft in Bezug auf Verwaltungsverfahren,
Steuerpolitik etc. gleich behandelt werden. Dieser Ansatz führte unter
anderem zu folgenden Ergebnissen: Laut der
Weltbank-Studie „Doing Business in 2011“, die das Investitionsklima der
Länder weltweit vergleicht, nimmt Estland unter den 181 untersuchten
Staaten und Regionen Rang 17 ein. Nach der Studie, die nach
verschiedenen Kriterien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für
Unternehmen bewertet, haben von den Staaten der Europäischen Union nur
Großbritannien (Platz 5), Dänemark (Platz 6), Irland (Platz 9), Finnland
(Platz 13) und Schweden (Platz 14) besser als Estland abgeschnitten.
Deutschland liegt auf Rang 22. Dem vom
Weltwirtschaftsforum erstellten Index der wettbewerbsfähigsten Länder
2010-2011 zufolge belegt Estland unter den untersuchten 139 Ländern den
33. Platz. Als Grundlage für den Index dienen statistische
Angaben sowie die jährlich stattfindende Meinungsumfrage unter den
Führungskräften, die in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum, mit
den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten und
Wirtschaftsorganisationen durchgeführt wird. Laut dieser Studie sind die
drei wettbewerbsfähigsten Länder der Welt die Schweiz, Schweden und
Singapur. In der von The Wall Street
Journal und Heritage Foundation erstellten
Weltliste der wirtschaftlichen Freiheit kam Estland unter den 183
Ländern auf Rang 14 – und gehört somit weltweit zu den
wirtschaftlich liberalsten Ländern. In dem von der
Organisation Transparency International
veröffentlichten Korruptionswahrnehmungsindex für 178 Länder
kommt Estland auf den 26. Platz. Unter den
Staaten der Europäischen Union hat Estland den 15. Platz
inne. Die proportionale Einkommensteuer, die
konservative Haushaltspolitik, die Befreiung von der Körperschaftssteuer
auf reinvestierte Gewinne sowie die Offenheit für innovative Lösungen
haben Estland zu einem der erfolgreichsten, innovationsfreudigsten und
sich schnell entwickelnden Ländern in ganz Mittel- und Osteuropa
gemacht.
 
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