Deutsch
Eesti English
Estland » Natur »

Natur


Meeresklima mit sanften Oberflächenformen

Das estnische Klima gleicht dem Klima anderer Ostseeanrainerstaaten. Aufgrund der Nähe Estlands zum Meer ist sein Himmel häufig bewölkt, weshalb viel Niederschlag fällt. Das Meer wirkt sich günstig auf das Klima aus: Im Frühjahr und Sommer ist es lange Zeit kühl, und die durchschnittliche Temperatur beträgt im Juni lediglich 17 Grad C. Gleichwohl sind Sommer nicht selten, in denen das Thermometer bis auf 30 Grad steigt. Im Herbst und Winter führt die im Sommer gespeicherte Wärme des Meeres zu milden Temperaturen: Im kältesten Monat Estlands, dem Februar, beträgt die durchschnittliche Lufttemperatur nur –5 Grad C.

Die höchste Erhebung Estlands, Suur Munamägi, erhebt sich lediglich 318 m über den Meeresspiegel. Die Esten sind stolz auf ihren höchsten Berg, und in gewisser Hinsicht ist dieser Stolz auch nicht unberechtigt – Suur Munamägi ist der höchste Gipfel im gesamten Baltikum. Von den estnischen Oberflächenformen ist die dramatischste das den Finnischen Meerbusen entlang verlaufende nordestnische Kalksteinufer, das sich an einigen Stellen als eine über 50 m hohe Terrasse senkrecht aus dem Meer erhebt. Nirgends sonst ist an der Ostseeküste solch eine mächtige Kalksteinterrasse zu finden. Kalkstein gilt in Estland als Nationalgestein. 


Wälder, Wiesen, Seen, Sümpfe

Wälder bedecken fast die Hälfte Estlands. Dominierende Baumarten in den estnischen Wäldern sind Kiefern, Fichten und Birken. Die Wälder haben einen recht reichen Wildbestand, im Jahre 2004 wurden 11 700 Elche, 50 000 Rehe, 17 000 Wildschweine, 17 000 Biber, 800 Luchse, 600 Bären und 100 Wölfe gezählt. Mit seinem Waldreichtum gehört Estland gemeinsam mit Finnland und Schweden zu den so genannten europäischen Waldstaaten. Forstwirtschaft und Holzprodukte spielen in der estnischen Wirtschaft eine äußerst bedeutende Rolle. Für etwa ein Drittel der Wälder gelten unterschiedliche Naturschutzbeschränkungen. In den geschützten Wäldern trifft man teilweise noch auf Urwälder, die in Westeuropa schon längst der Vergangenheit angehören; Beispiele sind der Urwald in Järvselja im Landkreis Tartumaa und der Urwald Poruni im Landkreis Ida-Virumaa.  

Die Wiesen sind in Estland viel artenreicher als in Westeuropa. Bei Ausflügen im Sommer fällt dem Fremden sofort die Arten- und Farbenvielfalt auf unseren Wiesen auf. Die Gehölzwiesen weisen die größte Artenvielfalt auf. Auf der artenreichsten Gehölzwiese Estlands in Vahenurme in Pärnumaa wachsen auf einem Quadratmeter 74 verschiedene Pflanzenarten. Eine solch große Anzahl von Pflanzen auf einem Quadratmeter ist nach Einschätzung von Biologen in Europa äußerst selten. Vor hunderten Jahren gab es auch in Südfinnland, Schweden und in anderen Teilen Europas eine reiche Vielfalt an Gehölzwiesen. Heute gibt es sie – obwohl ihre Fläche ständig abnimmt – nur noch in Estland.  

Estland ist ein Land der tausend Seen. Der größte von ihnen ist der Peipussee, der nach seiner Größe unter den europäischen Seen den vierten Platz einnimmt. Die meisten estnischen Seen sind klein und befinden sich in Südestland. Die größeren Seen – der Peipussee und der Võrtsjärv-See – sind fischreich. Im Peipussee kommen solch seltene Fischarten wie die Zwergmaräne und der Peipussee-Stint vor. Der Võrtsjärv-See ist berühmt dafür, dass dort die Edelfische Zander und Aal gezüchtet werden.

Flüsse gibt es in Estland reichlich, jedoch sind sie nicht groß. Lediglich zehn Flüsse haben eine Länge von mehr als 100 km. Die größten und bedeutendsten Flüsse sind der Pärnu und der Emajõgi.

Fast ein Fünftel der Fläche Estlands ist von Sümpfen bedeckt, die großflächigsten von ihnen befinden sich im mittleren und östlichen Teil des Landes. Zum Erkunden der Sümpfe eignet sich am besten der Nationalpark Soomaa. Im Estnischen bedeutet „Soomaa” Sumpfland. Einen großen Teil des Nationalparks nehmen mächtige Hochmoore ein, bei denen die Torfschicht teilweise bis zu sieben Meter beträgt.


Inseln

Estland besitzt über 1 500 Inseln, die größten unter ihnen sind Saaremaa (2 900 km²), Hiiumaa, Muhu und Vormsi. Die Inseln und das Küstengebiet des Festlands sind interessant, da sie sich direkt an den Zugrouten der Wasservögel befinden und jedes Jahr von hunderttausenden Vögeln auf ihrer Durchreise aufgesucht werden. Unter Naturschutz stehen Weißwangengans, Höckerschwan, Singschwan, Eiderente und Brandgans sowie viele andere Vogelarten.  

Wegen seines milden Meeresklimas und seiner Bodenvielfalt sind Fauna und Flora auf Saaremaa sehr artenreich. Weit verbreitet sind seltene und schöne Blumen wie z. B. Orchideen, und auch eine große Anzahl seltener Tierarten – von Insekten bis hin zu den Robben – lebt auf der Insel.


Hendrik Relve
Naturforscher

TopBack

© Botschaft von Estland in Wien Wohllebengasse 9/12, 1040 Wien, Österreich, Tel. (43 1) 50 377 61 11, E-Mail: Embassy.Vienna@mfa.ee