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Estnisches Design

10.10.2011

Das estnische Design als Schmelztiegel von Technologie und Tradition

In einer immer stärker globalisierten Welt tritt das estnische Design aufgrund der Fähigkeiten der Designer, das kostbare visuelle Erbe, sprich: das empirische Wissen der Vorfahren und in Vergessenheit geratene Fertigkeiten mit den Technologien des 21. Jahrhunderts zu verbinden, als etwas Unikales und Außergewöhnliches in Erscheinung. Dieses anscheinend spielerische Vermögen, in zweckmäßigen, hochtechnologischen Gegenständen archaische Muster mit moderner Formgebung zu vereinen, ist an den Arbeiten der jungen wie auch der älteren Designergeneration ablesbar.

Stoffe von Mare Kelpman,
 die im Dunkeln
leuchten. Foto : Estnisches DesignzentrumDarüber hinaus beeinflussen die Geschichte reich an Herrschern unterschiedlicher Nationalität sowie die geografische Lage zwischen Ost-, West- und Nordeuropa das estnische Design. Diese beiden Aspekte lassen es zu einem originellen, heiß brodelnden Schmelztiegel werden, in dem sich die dem Norden eigene Funktionalität und asketische Schlichtheit mit westlich verspielten und zur Formvollendung gebrachten Lösungen vermischt. Des Weiteren macht die Vielfalt sowie die Orientierung auf verschiedene Bereiche das estnische Design stark und lebensfähig. Einen guten Überblick über das breite Spektrum, in dem die Künstler wirken, vermittelt das Netzwerk Design Excellence Estonia, in dessen Katalog man zahlreiche Beispiele – von auf Handarbeit basierendem Textil- und Modedesign über Produktions- und Produktdesign bis hin zu Kommunikations- und Dienstleistungsdesign – findet.

Die Technologien des 21. Jahrhunderts und die Muster der Vorfahren

Eine allgemeine Tendenz im estnischen Design, die insbesondere im Textildesign zum Ausdruck kommt, ist die Verknüpfung überlieferter Techniken und Methoden mit der Hochtechnologie und der Formensprache der Gegenwart. So hat sich zum Beispiel die Textildesignerin Mare Kelpman auch außerhalb Estlands als Gestalterin neuartiger und innovativer Stoffe einen Namen gemacht. In ihrem Werk vereint Kelpman die Technologien des 21. Jahrhunderts (Laserschnitte, dreidimensionaler, leuchtender Stoff u. a.) mit Elementen der Volkskunst (Strickmuster): Für die Kollektion Estonian National Embroidery Modedesign von Kristina Viirpalu. Foto: Estnisches Designzentrumließ sich die Künstlerin bei der Kreation ihres lasergeschnittenen Stoffes von Stickmustern aus uralten Zeiten inspirieren. Zu Kelpmans Spektrum gehören Fenstertextilien und Raumteiler im Laserschnitt, dreidimensional gewebte Stoffe, selbstleuchtende Gardinen und Kissen, Schmuck und Bekleidung sowie Accessoires in reservvanutustehnika, einer besonderen Häkeltechnik.

Kristiina Viirpalu, in dritter Generation einer Schneiderfamilie entstammend, versieht in ihrem Bekleidungsdesign alte Handarbeitsmethoden und klassische Schnitte mit einer ganz eigenen und eigenwilligen Note. Die nach der Haapsalu-Technik (d. h. traditionelle Stricktechnik aus Haapsalu in Westestland, bei der aus feinster Wolle Stolen gestrickt werden, die wie Spitzenklöppelei wirken) handgestrickten Abend- und Hochzeitskleider sind weltweit einmalig. Einen speziellen Teil im Gesamtwerk Kristiina Viirpalus, die 2011 für den wichtigsten estnischen Modepreis Kuldnõel (dt. Goldene Nadel) nominiert wurde, bilden die Strumpfhosen und Strümpfe mit Printmustern in zahllosen Farbtönen und Ornamenten.

Ton und Design von Weltklasse

Estland hat mit der Lautsprecherfirma Audes eine anhaltende und umfassende Tradition in der Produktion von hochqualitativen Lautsprechern vorzuweisen. Die neueste Errungenschaft in der Welt der Lautsprecher ist die Serie Estelon (Firma Alfred & Partners), die mit ihrer Klangqualität und ihrem Design lebhafte Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Ihre ausgefallene Form erhielten die Weltklasse-Lautsprecher von Ingmar und Martin Melioranski aus dem Team des Designerbüros Meliorad. Die Herstellung, d. h. Entwicklung und Verfeinerung des eleganten Lautsprecher-Korpus dauerte unter Leitung von Alfred Wassilkow mehr als fünf Jahre. Korpusmaterial sowie Formenlogik stellen ein Novum dar – der Lautsprecherkorpus wurde aus einem speziellen, auf Marmor basierenden Kompositionsmaterial gegossen.

Die Lautsprecher wurden mit dem Innovationspreis International CES Innovation 2011 Design and Engineering Awards ausgezeichnet.

Möbel für den öffentlichen Raum

Der von der Firma Keha3 
entwickelte Fahrradträger
Grazz. Foto: Estnisches DesignzentrumObwohl Radfahrer im estnischen Stadtbild ständig zunehmen, findet man bedauernswerterweise nur wenige Möglichkeiten im städtischen Raum, um die Fahrräder ab- bzw. unterzustellen. Das Produktdesignerbüro Keha3 entwarf für den öffentlichen Raum den vandalismus- und diebstahlsicheren Fahrradständer Grazz. Der schlichte, aber fröhlich wirkende Fahrradständer ist haltbar und praktisch – starke Metallstäbe sind mit einem elastischen Plastiküberzug ummantelt, der das Rad vor Schäden schützt. Die Inspiration kam für den Designer Margus Triibamann unmittelbar aus der Natur, als er auf einer Frühjahrstour sein Fahrrad zwischen jungen Bäumen im Unterholz abstellte.


Maris Takk
Estnisches Designzentrum


Weitere Informationen:

Estnisches Designzentrum, www.disainikeskus.ee

Katalog der estnischen Designunternehmen 2011

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